Zivilcourage
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Zivilcourage

Zivilcourage ist: Aufstehen gegen die herrschende Meinung. Eintreten für soziale Werte oder die Werte der Allgemeinheit, an die man selber glaubt - ohne Rücksicht auf sich selbst sowie sichtbarer Widerstand aus grundsätzlicher Überzeugung.

 

Themenbild Zivilcourage

 

Zivilcourage setzt sich aus den beiden Wörtern "civilis" und "courage" zusammen. Das eine ist lateinisch und bedeutet bürgerlich, früher auch "nicht militärisch", aber auch "anständig" oder "annehmbar". "courage" heisst auf Französisch "Mut". Zusammen bedeutet das also etwa "Mut von Bürgern". Früher hiess das wohl oft, dass Bürgerinnen und Bürger Mut bewiesen gegenüber "nicht zivilen" Autoritäten, also zum Beispiel gegenüber Militär und Polizei.

 

An der Menschlichkeit orientiert

ZivilcourageGerd Meyer, der das Buch "Zivilcourage lernen" schrieb, das 2004 erschien, umschrieb Zivilcourage so: Es ist ein besonderer Typ Handlung in der Gesellschaft. Es kommt in speziellen Situationen und verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen vor (z.B. Schulklasse, Familie, Einkaufsstrasse), und es geschieht öffentlich. Es ist also etwa das Gegenteil von "Die Faust im Sack machen". Eine Person, manchmal auch eine Gruppe, setzt sich freiwillig für die berechtigten Interessen anderer Personen ein.
Hauptsächlich geht es um "nicht materielle" Interessen, also zum Beispiel Freiheit oder Respekt und Würde. Manchmal geht es natürlich auch um die Interessen der Personen, die handeln. Personen, die Zivilcourage üben, exponieren sich - sie riskieren etwas. Und hinter ihrem Einsatz stehen menschliche und demokratische Prinzipien.

 

Einsatz auf dem Pausenplatz oder als "Whistleblower"

In westlich orientierten Gesellschaften zeigt also Zivilcourage, wer verbindliche Wertorientierungen wie zum Beispiel die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" offen und ohne Rücksicht auf eigene Nachteile vertritt. Dies erfordert Mut, weil diese Person möglicherweise mit Repressionen (Unterdrückung, Benachteiligung) durch Autoritäten, sogenannte Vertreter der herrschenden Meinung oder seines sozialen Umfelds zu rechnen hat.

Zum Beispiel: Der 15-jährige Clemens sitzt im Rollstuhl und schaut ein paar Jugendlichen beim Fussballspielen zu. "Hallo, Spasti", ruft ihm einer zu. Die meisten lachen. Zivilcourage beweist, wer sich jetzt für Clemens zur Wehr setzt.
Eine besondere Form der Zivilcourage üben "Whistleblowers" aus. Das sind Menschen, die Fehlverhalten innerhalb von Institutionen und insbesondere Firmen aufdecken.

 

Gute Selbsteinschätzung ist wichtig

Zivilcourage ist nicht angeboren. Sie kann erlernt werden, setzt aber ein gesundes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl voraus. Das Selbstwertgefühl ist Ausdruck der Meinung, die man von sich selbst hat. Es ist auch die Summe der Werte, die man sich zuschreibt. Einfluss hat aber auch, wie andere Menschen - Eltern, Geschwister, Lehrer und Freunde - die eigene Person und den eigenen Charakter bewerten. Je nachdem, wie man glaubt, von anderen eingeschätzt zu werden, entstehen entweder Selbstachtung oder Minderwertigkeitsgefühle.
Gutes Selbstwertgefühl und eine realistische Selbsteinschätzung schaffen die Voraussetzung, dass es jemand wagt, hinzustehen und zu reagieren statt wegzuschauen. Denn es braucht Mut, sich für einen Menschen oder eine Sache einzusetzen, die vom Umfeld anders bewertet oder nicht beachtet wird.
Wer Zivilcourage zeigt, muss die Angst aushalten, von den anderen abgelehnt zu werden, allein dazustehen. So jemand muss sich also seiner Stärken bewusst werden und erst noch seine Schwächen akzeptieren und überwinden. Zivilcourage setzt auch eine eigene Meinung voraus, die nicht auf Vorurteilen beruht.
Sinn für Gerechtigkeit ist oft der auslösende Moment, um sich mit Zivilcourage für eine Sache oder eine Person einzusetzen. Vorne in diesem Heft steht, dass Henry Dunant von klein auf einen Gerechtigkeitssinn hatte. In Solferino bewies er Zivilcourage. Er hätte wegschauen und sich nur um sein Anliegen - den Besuch bei Napoleon III. - kümmern können.

 

Zivilcourage

TelldenkmalDie Legende von Wilhelm Tell - eine Symbolfigur, die auch zeigt, dass man sich Freiheit erkämpften muss - beschreibt einen Helden, der über Zivilcourage verfügte, das Unrecht ablehnte und dem Vogt die Stirn bot.

Briefmarke - Geschwister Scholl"Weisse Rose" (Hans und Sophie Scholl u.a.) war der Name einer Widerstandsgruppe aus München während der Zeit des Nationalsozialismus. Sie wurde im Juni 1942 gegründet und bestand bis Februar 1943. Die Mitglieder verfassten, druckten und verteilten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugblätter, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde. Ihre Zivilcourage zahlten alle sechs Gruppenmitglieder nach ihrer Entdeckung mit dem Tod.
Erstes Flugblatt der "Weissen Rose": > www.bpb.de/files/IMH3WQ.pdf

Foto mit HandyKonflikte gehören zum Leben, ob im Kindergarten, in der Schule, im Quartier oder anderswo.
Streitereien, Ausgrenzung und Gewalt können die Folge davon sein. Lernen, wie man offen, kreativ und konstruktiv mit Konflikten umgehen kann, fördert die soziale Kompetenz und leistet einen aktiven Beitrag zur sozialen Integration und zur Gewaltprävention.

 

Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es

"Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit" sagte Kofi Annan (UNO-Generalsekretär bis Dezember 2006) im Jahr 2005, und zwar an einer Gedenkfeier zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Die Aussage veranschaulicht, wie wichtig Zivilcourage für eine Gesellschaft ist. Und das beginnt im Kleinen.

Zivilcourage wird häufig mit Unerschrockenheit und Heldenmut verbunden: Das Aufbegehren gegen Diktaturen oder das Aufdecken krimineller Machenschaften - etwa der Kampf des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo, Leoluca Orlando, gegen die Mafia. Das liegt sicher daran, dass dies besonders spektakuläre Fälle sind - oft genug auch besonders entsetzliche Fälle. Aber internationale Konflikte, auf die wir keinen Einfluss nehmen können, blockieren uns auch.
Zivilcourage - KlasseZivilcourage fängt schon viel früher an - immer dann, wenn eine offensichtliche Ungerechtigkeit passiert, in der sich das Opfer nicht wehren kann. Der herausragende Mut Einzelner darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Zivilcourage auch "im Kleinen" möglich und nötig ist, wenn Menschen gedemütigt, bedroht oder angegriffen werden: Gewalt irgendwo unterwegs, Mobbing an Schulen und Arbeitsplätzen, rassistische und antisemitische Übergriffe, Gewalt zu Hause gegen Kinder, Frauen und Männer.
Vielleicht hast auch du schon einmal eine Situation erlebt, in der du gerne geholfen hättest und dich nicht trautest. Keine Angst, damit hast du schon richtig reagiert. Zivilcourage bedeutet nicht, den Helden zu spielen, sondern erst einmal auf die innere Stimme zu hören, die einem sagt: Was da passiert, ist nicht in Ordnung und ich sollte etwas tun. Hinschauen und Wahrnehmen ist schon der erste Schritt.
Mach doch mal den Mund auf, wenn jemand an der Supermarktkasse vordrängelt. Wie fühlt es sich an, vor anderen Leuten die Stimme einzusetzen? Wenn du das geschafft hast, kannst du es als Erfolg sehen. Es geht auch darum, anderen Solidarität zu signalisieren und sich nicht alles gefallen zu lassen.

 

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