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"Eine Erinnerung an Solferino" wird ein Bestseller

Entwurf - Eine Erinnerung an Solferino
Entwurf - "Eine Erinnerung an Solferino"
Erste Seite - Eine Erinnerung an Solferino
Dies ist die erste Seite von "Eine Erinnerung an Solferino" wie sie Dunant von Hand schrieb.
Buchtitel - Eine Erinnerung an Solferino
Buchtitel - "Un souvenir de Solferino"

Dunant gab seinem Buch den Titel "Un souvenir de Solferino". Es gilt heute noch als literarisches Meisterwerk. Damit rüttelte er die damalige Gesellschaft in Europa auf. Das Buch schildert zuerst die politischen Zusammenhänge. Detailliert wird über die Heere, Truppen, Offiziere und die Kriegsstrategie berichtet. Danach werden in einer dramatischen  Schilderung der Ablauf der Schlacht, das Gemetzel und das tapfere Ende einzelner Offiziere beschrieben, so wie das viele Reportagen des 19. Jahrhunderts machten, die den Krieg als "grandioses Schauspiel" behandelten.

 

Nach der Beschreibung der Flucht der geschlagenen Österreicher ändert der Ton. Kein Wort fällt über den Triumph der Siegermächte. Dunant schreibt, wie "im Schatten der Dämmerung so mancher französische Soldat nach einem Kameraden, einem Landsmann und einem Freund suchte".


Es folgen realistische Beschreibungen von abgeschlagenen Gliedern und Köpfen, von sich in Blut und Schmutz wälzenden Körpern, zerfetzten Gesichtern, aufgerissenen Augen und im Schrei erstarrten Mündern.
Man erfährt, wie primitiv und brutal die Verwundetentransporte oder wie prekär die Zustände in den Lazaretten und Spitälern waren, wo Beine und Arme ohne Betäubungsmittel amputiert wurden.

 

Verwundeter und Helfer
Die Verwundeten wurden in den Kirchen notdürftig verpflegt. Es fehlte an Mitteln. Viele starben an den Verletzungen - oder an Durst. Ein Zeichen, das die Helfer von den Kämpfenden unterscheidbar machte, gab es noch nicht.

Die letzten Seiten widmete Dunant seiner Vision, die er entwickelt hatte: "Wäre es nicht möglich, in Friedenszeiten eine freiwillige Organisation zu gründen? Ihr Zweck müsste sein, begeisterte und aufopfernde Freiwillige zu finden, die die Verwundeten in Kriegszeiten pflegen." Er schloss sein Buch mit dem Appell: "Hilfsgesellschaften für Verwundete sollen in verschiedenen Ländern Europas gegründet werden."

Dunant liess auf eigene Rechnung 1'600 Exemplare drucken, die nicht zum Verkauf ("ne se vend  pas") bestimmt waren. Diese verschickte er ab November 1862 mit persönlicher Widmung an Fürsten, Generäle und Regierungen in ganz Europa. Das Echo war gewaltig. Eine zweite, nun verkäufliche Auflage erschien und wurde zum Bestseller. Der Verfasser wurde dafür über alle Massen gelobt.


Einer der Ersten, die ihm gratulierten, war der Genfer Gustave Moynier. Er war ein brillanter Jurist und guter Organisator und präsidierte auch die Gemeinnützige Gesellschaft von Genf. Ihm ist zu verdanken, dass die Ideen Dunants rasch umgesetzt werden konnten. Moynier lud Dunant für ein Referat  vor zwanzig angesehenen Bürgern der Stadt ein. Unter ihnen sass auch General Dufour.
Die Versammlung beauftragte fünf Anwesende, einen Plan zu erstellen. Darin sollte gezeigt werden, wie Dunants Idee in die Tat umgesetzt werden könnte, "kriegsführende Armeen durch Korps freiwilliger Krankenpfleger zu unterstützen".


Das Fünfergremium nannte sich "Ständiges Internationales Komitee". Es bestand aus General Henri Dufour als Präsident, Gustave Moynier als Vizepräsident, Henry Dunant als Sekretär und den Ärzten Louis Appia (Chirurg) und Théodore Maunoir (Mediziner).

 

 

Was am Schluss der "Erinnerung an Solferino" geschrieben steht
"Gibt es während einer Zeit der Ruhe und des Friedens kein Mittel, um Hilfsorganisationen zu gründen, deren Ziel es sein müsste, die Verwundeten in Kriegszeiten durch begeisterte, aufopfernde Freiwillige, die für ein solches Werk besonders geeignet sind, pflegen zu lassen?"

"Da man nun einmal darauf verzichten muss, dass sich Wünsche und Hoffnungen der Gesellschaft der Friedensfreunde jemals erfüllen werden, warum sollte man da nicht eine Zeit verhältnismässiger Ruhe und Stille benutzen, um eine Frage von so grosser und umfassender Wichtigkeit von dem doppelten Standpunkt der Menschlichkeit und des Christentums aus zu studieren? Warum sollte man nicht versuchen, hierüber zu einem Entschluss zu kommen?"

"Gesellschaften solcher Art würden, sobald sie einmal für die Dauer errichtet sind, natürlich zu Friedenszeiten untätig bleiben, aber sie würden in ständiger Bereitschaft sein für den Fall eines Krieges."

"Hätte es bei Solferino ein solches internationales Hilfswerk gegeben, oder wären am 24., 25. und 26. Juni in Castiglione oder zur gleichen Zeit auch in Brescia, Mantua oder Verona solche freiwilligen Helfer gewesen, wieviel unbeschreiblich Gutes hätten sie leisten können in jener unheilvollen Nacht vom Freitag zum Samstag, als Tausende von Verwundeten vor Qual stöhnten und herz-zerreissend um Hilfe riefen, Tausende, die nicht nur unter furchtbaren Schmerzen, sondern auch unter einem entsetzlichen Durst litten."

"Wäre es nicht wünschenswert, dass die hohen Generäle verschiedener Nationen, wenn sie gelegentlich zusammentreffen, diese Art von Kongress dazu benützen, irgendeine internationale rechtsverbindliche und allgemein hochgehaltene Übereinkunft zu treffen, die, wenn sie erst festgelegt und unterzeichnet ist, als Grundlage dienen könnte zur Gründung von Hilfsgesellschaften für Verwundete in den verschiedenen Ländern Europas?"

 

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