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Der tiefe Fall des Rotkreuzgründers

Paris 1870
In Paris wird geschossen. Als 1870 Frankreich den Preussen den Krieg erklärte, gelangten die Deutschen bis nach Paris. Trotz bitterer Armut setzte sich Dunant erneut für die Verwundeten ein.

Kurpark Heiden
Heiden war zu Dunants Zeit ein Weltkulturort. Überall wurden Molkenkuren angeboten – sie hatten den Ort berühmt gemacht. Hier im Kursaal spielten drei Mal täglich bis zwölf Musiker, Theaterstücke und Bälle gingen über die Bühne, im Garten flanierte die Noblesse.

Der zweite Genfer Kongress war abgeschlossen. Nun erschienen in allen Zeitungen Berichte über die neutrale freiwillige Hilfe, die in Zukunft die Armeesanität im Krieg unterstützen werde. Henry Dunant, der Sohn der Stadt Genf, wurde in ganz Europa bewundert und gefeiert.
Gleichzeitig hatte der Wohltäter durch all seine Aktivitäten sein Mühlenunternehmen vernachlässigt. Die Geschäfte in Nordafrika stockten. Schulden türmten sich auf. Die "Societé Anonyme des Moulins Mons-Djémila" musste Konkurs anmelden. Dunants Fall wurde vom Zivilgerichtshof behandelt. Das Urteil fiel hart aus: Herr Dunant habe die Aktionäre bewusst getäuscht und müsse für den gesamten Schaden aufkommen.

Moynier forderte von Dunant erbarmungslos den Rücktritt aus dem Komitee, um den Ruf des Roten Kreuzes nicht zu schädigen. Der Genfer Verein Christlicher Junger Männer strich seinen Gründer aus der Mitgliederliste. Nur Dunants Familie hielt den Kontakt aufrecht. Verarmt und ausgestossen, verliess der erst 39-Jährige Genf für immer.

 

Im Pariser Exil lebte Dunant in bitterster Not. Da er sich keinen Anzug leisten konnte, färbte er die abgeriebenen Stellen mit schwarzer Tinte. Den Hemdaufschlag bleichte er mit Kreide. Gleichzeitig war er in den höchsten Kreisen immer noch als Redner gefragt. Schriftlich hatte sich Napoleon III. zuhanden des Fünferkomitees bereit erklärt, die Hälfte von Dunants Schulden zu begleichen, falls seine Freunde für die andere Hälfte aufkommen würden. Diesen Brief allerdings bekam Dunant nie zu sehen.


Armut, Misserfolge und Enttäuschungen machten Dunant menschenscheu, misstrauisch und krank. 1872 vermachte ihm sein Onkel und Pate David Dunant per Testament eine Jahresrente von 1'200 Schweizer Franken.
Jahrelang reiste der Rotkreuzgründer durch Europa. Er pendelte zwischen Paris und London. Zeitweise kam er bei Freunden unter. Léonie Kastner-Boursault, die Witwe des Komponisten Jean-Georges Kastner, liebte ihn. Sie half ihm, über die Runden zu kommen. Er liebte sie auch, dachte aber, dass er als so armer Mann ihrer nicht würdig sei.

 

Eines der Bilder aus der Reihe der sogenannten Diagramme
Eines der vier Bilder aus der Reihe der sogenannten «Diagramme», die im Henry-Dunant-Museum in Heiden ausgestellt sind.

Ende 1876 erhielt Dunant beim Pfarrer Dr. Ernst Wagner in Stuttgart eine Bleibe. Dort schenkte ihm ein Pietist - ein Anhänger einer stark reformierten Bewegung - drei grossformatige Bilder im Format 80 mal 80 Zentimeter mit biblischem Inhalt. Dunant ergänzte die Reihe mit einer selbst gestalteten, tabellenähnlichen Darstellung der Schöpfungsgeschichte. Die Werke sind bis heute überliefert und bekannt als sogenannte "Diagramme".

 

Heiden, die neue "Heimat"

Spital Heiden
Spital Heiden

Dunant traf im Juli 1887 mit wenig Gepäck in Heiden ein. Stuttgarter Freunde hatten zum Umzug geraten. Denn seine dortigen Gönner, Dr. Wagner und seine Frau, waren verstorben.

Der 59-jährige Genfer, gross und hager, mit langem, weissem Bart, fand Unterkunft in der Pension "Paradies" unterhalb der Endstation der Zahnradbahn Rorschach-Heiden. Bald musste er, den Ortsarzt Dr. Hermann Altherr aufsuchen. Dieser erkannte in ihm den Rotkreuzgründer. Wie viele andere Menschen hatte er Dunant längst für tot gehalten.

Dunant freundete sich bald mit dem Dorfschullehrer Wilhelm Sonderegger an. Dieser konnte gut Französisch und übersetzte ihm viele Briefe und Texte. Dunant begann auch, seine Memoiren aufzuschreiben. Eineinhalb Jahre lebte er im "Lindenbühl" bei Trogen.

1892 bezog er im Bezirksspital Heiden, wo sich heute das Henry-Dunant-Museum befindet, als "selbstzahlender" Pensionär ein Zimmer. Es kostete drei Franken im Tag und war ihm von Dr. Altherr ermöglicht worden. Dunant blieb aktiv. Er befasste sich mit Ideen zur Förderung der Frauenrechte und zum Schutz der Familie. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts forderte er gleiche Löhne für Mann und Frau.

 

Heiden zu Dunants Zeiten

 
Farblitho Hotel Freihof Fotokarte Hotel Freihof Karte Kursaal Heiden Karte Panorama Heiden Litho Karte Heiden Litho Panorama Heiden Kirchplatz Heiden
Dunants Diagramme
Eines der vier Bilder aus der Reihe der sogenannten Diagramme Eines der vier Bilder aus der Reihe der sogenannten Diagramme Eines der Bilder aus der Reihe der sogenannten Diagramme

 

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